Die Aujeszkysche Krankheit (Pseudowut)

Die Aujeszkysche Krankheit (Pseudowut) ist eine seit langem weltweit bekannte virusbedingte Infektionskrankheit der Tiere, die in Europa seit den fünfziger Jahren als Bestandserkrankung beim Schwein zunehmende wirtschaftliche Bedeutung erlangte. In engem Zusammenhang mit dem Infektions- und Seuchengeschehen beim Schwein kommt es sporadisch auch zur Aujeszkyschen Krankheit bei Hunden und Katzen. Erfahrungsgemäß werden solche Erkrankungen der Hunde und Katzen nicht in jedem Falle erkannt, weil ein schnell zum Tode führender Krankheitsverlauf und ein nicht selten uneinheitliches Krankheitsbild vorliegen. Jeder Züchter und Hundehalter sollte aber wissen, dass die Aujeszkyschen Krankheit gegenwärtig und auf absehbare Zeit hinaus eine tödliche Gefahr für seine Tiere darstellt, die er nur bannen kann, wenn er sie kennt. Der Tierarzt hat bei Hund und Katze nur die Möglichkeit der Diagnose. Eine Behandlung gibt es nicht und wird es vorerst noch nicht geben.

Krankheitsursache

Aujeszky, ein ungarischer Tierarzt, hat bereits 1902 nachgewiesen, dass der Erreger dieser tollwutähnlichen Infektionskrankheit ein Virus ist, das sich vom Erreger der Tollwut unterscheidet. Heute wissen wir, dass dieser Erreger zur großen Familie der Herpesviren gehört, aus der bestimmte Vertreter, wie z. B. der Erreger des Lippenherpes bzw. der Gürtelrose, auch beim Menschen Erkrankungen hervorrufen. Der Mensch erweist sich als wenig empfänglich und die Ansteckungsgefahr für den Menschen durch das Virus der Aujeszkyschen Krankheit ist sehr gering, denn der Hauptwirt des Virus ist das Schwein. Es ist die Hauptansteckungsquelle für Hund, Katze, Rind, Schaf, Ziege und andere Tierarten, die nach einer Virusinfektion in der Regel einer tödlich verlaufender Erkrankung unterliegen.

Die Aufnahme des Aujeszky-Virus erfolgt beim Hund stets mit dem Futter. Es kommt zur Ansiedlung des Virus im Zentralnervensystem, wo es eine Gehirn- und Gehirnhautentzündung hervorruft. Diese äußern sich durch Störungen des Bewußtseins, der Bewegungsunfähigkeit und der Sensibilität. Hinzu kommen die Erkrankungen einzelner Organe, vor allem die Lunge und die Haut am Kopf.
Vom Schwein stammendes rohes Fleisch, insbesondere Innereien wie Schlund einschließlich Luftröhre sind die Infektionsquelle für den Hund. Die tierärztliche Fleischuntersuchung ist außerstande festzustellen, ob im geschlachteten Schwein der Erreger der Aujeszkyschen Krankheit vorhanden ist. Zudem weisen Fleisch und Organe der Schlachtschweine in der Regel keine erkennbaren substantiellen Veränderungen auf, auch wenn das Aujeszky-Virus darin enthalten ist. Daher ist jegliche Verfütterung von rohem Schweinefleisch, gleich woher es auch stammen mag, bedenklich und gefährlich.

Die Aujeszkysche Krankheit des Schweines hat sich in den Schweinebeständen Deutschlands und in den angrenzenden mitteleuropäischen Ländern festgesetzt. Sie führt überwiegend nur bei Saugfekeln zum Tode. Läufer und  Mastschweine können hingegen die Infektion ohne auffällige Krankheitserscheinungen überstehen. Gesundete oder nur infizierte Schweine können den Erreger noch lange beherbergen und ausscheiden und auch nach der Schlachtung den  Erreger durch die Verfütterung der Fleischprodukte auf den Hund übertragen.
Die Aujeszkysche Krankheit wird in der BRD staatlich bekämpft. Dazu stehen wirksame inaktivierte Impstoffe zur Verfügung. Erst wenn es gelingt, das Virus der Aujeszkyschen Krankheit aus den Schweinebeständen gänzlich zu verdrängen, ist die Gefahr für Hund, Katze und andere Tierarten gebannt. Solange die Maßnahmen zur Bekämpfung der Aujeszkyschen Krankheit des Schweines nicht greifen, besteht andauernde Gefahr für unsere Hunde - es sei denn, man verfüttert konsequent Fertignahrung oder gekochtes Fleisch.

Die Symptome beim Hund

Etwa drei Tage nach Aufnahme des mit dem Aujeszky - Virus infizierten Schweinefleisches treten die ersten Krankheitserscheinungen auf. Die erkrankten Tiere fressen nicht mehr, erbrechen wiederholt oder würgen bloß.
Es tritt starke Speichelbildung auf. Binnen einiger Stunden stellt sich entweder eine auffällige Mattigkeit ein, oder sie können auch ruhelos erscheinen, ziellos hin und hergehen und sich fortgesetzt hinlegen und wieder aufstehen. Dabei wird der Gang bald unsicher, schwankend, die Gliedmaßen werden schleppend und unkoordiniert geführt. Der Gesichtsausdruck wird ängstlich und wirr, die Ohren werden nicht mehr gerichtet, ein Ohr kann hängen. Es können fieberhafte Temperaturen bis 41°C gemessen werden. Zu den auffälligsten Erscheinungen gehört andauernder Juckreiz, der meist einseitig am Kopf, besonders am Ohr oder an der Nase auftritt und den der Hund durch fortgesetztes Kratzen äußert. Dabei wirkt die Haut an der betroffenen Stelle zunächst unauffällig, später kann sie bis aufs Blut aufgekratzt sein. Manchmal äußern die Hunde ängstliches Winseln, Jaulen oder Bellen. Gelegentlich werden die Tiere aggressiv. Bald nach Krankheitsbeginn atmen die Hunde äußerst heftig, können sich vom Lager nicht mehr erheben, werden bewußtlos und sterben innerhalb von 48 Stunden. Es gibt kein Heilmittel und wird wahrscheinlich auch für die nahe Zukunft keines geben.


Vorsichtsmaßnahmen

Das Aujeszky-Virus übersteht tiefe Temperaturen, kann jedoch durch Hitze abgetötet werden. Daher kann man seinen Hund sicher schützen, wenn man Fleisch oder Schlachtabfälle vom Schwein bzw. unsicherer Herkunft durchkocht. Die Stücke müssen aber im Inneren grau sein, ankochen oder anbraten nützt nicht.
Bisher gibt es keinen Impfstoff, mit dem man den Hund vor dem Tod durch die Aujeszkysche Krankheit schützen könnte. Doch allein durch die Vermeidung der Verfütterung von rohem Schweinefleisch bzw. roher Schlachtabfälle vom Schwein kann man seinen Hund 
hundertprozentig vor der Aujeszkyschen Krankheit bewahren.