Der Shetland Sheepdog oder Sheltie

Ein Britischer Hütehund – Charm und Intelligenz in Vollendung

Er gehört zu den kleinen unter den Britischen Hütehunde Rassen und stammt, wie sein Name schon vermuten lässt, von den Shetland - Inseln. Unter äußerst harten Lebensbedingungen entwickelten sich dort Zwergrinder, Zwergschafe und Zwergpferde (Shetlandpony), die von kleinen, zähen und wendigen Hunden gehütet wurden.
Der Sheltie soll ein Kreuzungsprodukt aus dem Border Collie und von Walfängern mitgebrachten Nordlandspitze sein. Um seine Hüteeigenschaften zu verbessern, wurden schottische Collies einge-kreuzt, so dass eine entfernte Ähnlichkeit mit diesen vorhanden sein dürfte.

Erst seit etwa 1840 kennt man den kleinen Hund der Shetland - Inseln näher. Britische Soldaten, die auf den Inseln stationiert waren, brachten ihren Angehörigen auf dem Festland diese kleinen Gesellen mit.
Als diese kleinen Kerlchen sich auch als Haushunde verkaufen liesen, erblickten die armen Bauern eine zusätzliche Einnahmequelle und kreuzten ihre Hunde mit allen möglichen Kleinrassen, um sie possierlicher und attraktiver für die Soldaten werden zu lassen. Von einen Rassetyp konnte nun keine Reden mehr sein. Zum Segen dieser kleinen Burschen fanden sich aber bald Züchter, die sich dieser Rasse annahmen.
Shelties wirken auf den unbefangenen Betrachter wie putzige, zu klein geratene Collies - und in der Tat ähneln sie in vielen, wenn auch beileibe nicht allen Eigenschaften, ihrem größeren und bekannteren Bruder.
Die Shetlandhunde haben sich im Laufe ihrer vielhundertjährigen Zuchtgeschichte im Aussehen zweifellos beträchtlich verändert. Das Genmuster der ursprünglichen nordischen Spitze wurde durch zahllose Kreuzungen über die Jahrhunderte hinweg immer wieder abgewandelt. Aber die einschneidendste Umformung erfuhr die Rasse in den letzten 90 Jahren seit Aufkommen des Reinzuchtgedankens und dem Beginn der Einkreuzung von Show-Collie-Blut (Kenner sprechen von einer Introgression von 90% Collieblut im modernen Schau-Sheltie unserer Tage!).
Unbestritten ist: Aus dem kleinen spitzartigen Inselhund mit breitem Kopf und Flatterohren und schlichtem Stock- oder Langhaarkleid ist ein auf Schönheit gezüchteter Rassehund mit üppig, reichem Haarkleid geworden, dessen Körper bei aller Eleganz kräftig und beweglich, weder plump noch übergrazil ist. Die Harmonie von Schädel und Vorgesicht, Farbe und Platzierung der Augen sowie Ansatz und Haltung der Ohren im Zusammenspiel mit dem prächtigen, glänzenden Haarkleid ergibt eine Mischung aus lieblicher Anmut und aufmerksamer Intelligenz, der man schwerlich widerstehen kann. Shelties sind stets schmucke Hunde, mit  denen man Aufsehen erregt und werden von beinahe allen Menschen als  ästhetisch schön und harmonisch empfunden.

Verbreitung

1908 gründeten Züchter in Lerwick den Shetland-Collie-Club um den Collie en miniature zu züchten. Der Sheltie verkörperte zur damaligen Zeit noch keinen einheitlichen Typ. So mussten die Club-mitglieder sich gegen den Widerstand der Collie Züchter durchsetzen. Um den Streitigkeiten ein Ende zu bereiten wurde 1909 dieser Club in den Shetland Sheepdog-Club umbenannt.

Die offizielle Anerkennung dieser Rasse erfolgte dann im Jahre 1914.
Alte Zuchtbücher geben darüber Auskunft, dass im Jahre 1935 durch den Zwinger "von Pomona " das erste Sheltiezuchtpaar, "Medgelake Magnetic" und "Medgelake Margy", nach Deutschland importiert wurde und unter der Nr. 1 und Nr. 2 in das Zuchtbuch eingetragen wurde. Im gleichen Jahr fiel der erste Sheltiewurf und unter der Nr. 3 wurde die Hündin "Sally von Pomona" in das Zuchtbuch eingetragen. Aus gleicher Abstammung fielen 1936 nochmals zwei Würfe mit zwei bzw. drei Welpen. Durch die Gründung zwei weiterer Zwinger und der Importe des Rüden "Weaver" und der Hündin "White Lady of Wyndora“ und des "Blue Star of Houghton Hill" wurde die Zuchtbasis bis 1941 wesentlich erweitert und konnte mit der Eintragungsnummer 36 abgeschlossen werden.

Noch heute züchten wir mit Linien ,die auf die genannten Importe zurückgehen.
Der Sheltie wird inzwischen in vielen Ländern Europas gehalten und gezüchtet und ist auch weltweit auf allen Kontinenten vertreten. Besonders beliebt ist die Rasse in den Vereinigten Staaten. Hier werden jährlich an die 4.000 Shelties aus 1.400 Würfen eingetragen.
In den USA gehört der Sheltie zu den 10 beliebtesten Hunderassen. Im Gegensatz zu Deutschland bestimmen dort zahlreiche große, professionelle Sheltiezuchtstätten die Rassenentwicklung.
Obwohl sich bei uns viele Züchter dieser Rasse angenommen haben, ist sie nicht so verbreitet wie die des Collies. Trotz seiner Beliebtheit als attraktiver Haus- und Begleithund ist er vielerorts relativ unbekannt.
Der Sheltie ist der kleinste Vertreter der englischen Hütehunde Rassen, der neben dem Collie (Langhaar und Kurzhaar) auch noch der Bobtail, Border Collie, Bearded Collie und der Welsh Corgi angehören.

Die Zucht der Shelties bedingt auch eine stetige Auslese und die Züchter müssen neben der nötigen Sachkenntnis auch viel Geduld, Ausdauer, Liebe und Idealismus besitzen. Es hat sich gezeigt, dass nur wenige Züchter über viele Jahre der Rasse die Treue hielten.
Es gilt, einen Kleinhund zu züchten, der in seiner Art einen kleinen Gebrauchshund in Standardgröße, gepaart mit Temperament, Lernfreudigkeit, Ausdauer und Schönheit vereint.
Der Sheltie ist der ideale Begleithund, geeignet sowohl für die Haltung in der Wohnung als auch im Zwinger. Er ist genügsam, robust, sehr intelligent, und besitzt für seine Körpergröße ein enormes Sprungvermögen. Trotz seiner Wachsamkeit ist er Fremden gegenüber sehr misstrauisch und verschlossen. Immer zum Toben und Spielen aufgelegt geht er seinen Besitzer auch in einer kleinen Wohnung kaum auf die Nerven.
Der Sheltie soll auf den ersten Blick als ein Collie "en miniature" erscheinen. Sein reiches Haarkleid, seine Farben, aber besonders der aufmerksame und intelligente Ausdruck, die klug dreinblickenden Augen und die halbaufgerichteten, nach vorn kippenden Ohren sind eine absolute Angleichung. Die rassecharakteristischen Merkmale müssen ihn dann jedoch als Kleinhund erkennen lassen. Nie aber darf der Eindruck eines zu klein geratenen Collies entstehen.


Vergleich mit dem Collie

Pinch vom AueneckDer Standard des Sheltie weist einige Ähnlichkeiten mit dem des Collies auf. Dennoch kann man nicht behaupten, dass der Sheltie eine in allen Einzelheiten verkleinerte und ansonsten identische Miniaturausgabe seines größeren Verwandten darstelle.
Wer genauer hinschaut, erkennt durchaus die Unterschiede in Körperbau, Kopfform, Behaarung und zugelassenen Färbungstypen. Insgesamt gesehen ist der Sheltie eleganter gebaut als sein größerer Vetter. Er hat eine stärker abfallende Kruppe und einen relativ kürzeren Kopf mit stärker schräg eingesetzten Augen und einen etwas schärfer markierten Stop als der Collie. Außerdem sind laut Standard beim Sheltie mehr Farbschläge zugelassen als beim Collie (u.a. auch schwarzweiß und schwarz-lohfarben).
Unterschiede werden auch in Wesen deutlich: Der Sheltie ist in der Regel kerniger, lebhafter und arbeitssüchtiger. Er ist trotz seines eleganten Äußeren im Kern ein Arbeitshund geblieben.

Im Körperbau wie im Wesen steht er dem Arbeitscollie (Working Collie) dem Urahn des Border- und Schau-Collie noch deutlich näher als der heutige Langhaar-Collie.

Einige Anmerkungen zu den Farbvarietäten

Der Sheltie wird heute in einer großen Anzahl sehr attraktiver Farbschläge gezüchtet, wobei sable (zobel-weiß) mit Weiß die mit Abstand am häufigsten anzutreffende Farbvarietät darstellt. Die meisten Ur-Shelties auf den Shetlandinseln sollen übrigens schwarz- lohfarben gewesen sein und zwar ohne weiße Abzeichen. Auch der schwarz-weiße Farbschlag ohne lohfarbene Abzeichen soll auf den Shetlandinseln häufiger vorgekommen sein und war vermutlich stark vom Border Collie geprägt. Lange Zeit waren schwarzweiße Hunde unter den Ausstellungs-Shelties eine Rarität, aber in jüngerer Zeit treten sie wieder zunehmend häufiger in Erscheinung.

Wesen, Besonderheiten und Eignung

Der Sheltie ist nicht nur aufgrund seines hübschen, niedlichen Aussehens ein ganz besonders ansprechender Hund, sondern auch vom Wesen her bezaubernd. Er besitzt Charme und Intelligenz in seltener Vollendung, ist kooperativ bis zur Selbstaufgabe, anpassungsfähig und vielseitig begabt.

Ein Sheltie mit korrektem Wesen ist trotz seiner Kleinheit keinesfalls ein zerbrechlicher Schoßhund, sondern ein verständiger, lernbegieriger Partner, der sich auch als Begleithund ohne große Probleme in die unterschiedlichsten Lebensstile und Gegebenheiten seiner jeweilige Umwelt einfügt. Er ist sehr aufmerksam, begreift blitzschnell, lernt ausgesprochen gerne und rasch auch die ausgefallensten Tricks und behält das einmal Gelernte im Gedächtnis. Da er stets bemüht ist, alles gut und richtig zu machen und seinem Herrn jeden Wunsch von den Augen abzulesen, ist seine Ausbildung ein steter Quell der Freude.

Da der Sheltie so leicht erziehbar ist, ist er auch ein guter Anfängerhund. Aber nur solche Menschen werden mit ihm glücklich werden, die einen Hund mit leichter Hand zu führen verstehen. Laute, strenge, grobe Personen mit militärischem Erziehungsstil werden mit dem sensiblen Sheltie nicht glücklich, denn barsche Behandlung widerspricht dem empfindsamen Wesen dieser Hunde.

Harte, laute Worte sind beim Sheltie auch selten vonnöten, denn er reagiert in aller Regel sehr fein-fühlig auf die Befehle oder Forderungen seines Meisters. Als Korrektur oder "Strafe" reicht schon ein ärgerlicher Tonfall oder gar nur ein unfreundlicher Gesichtsausdruck.
Shelties vergöttern ihre Bezugspersonen. Sie können so anhänglich werden, dass sie ihre Menschen keine Sekunde aus den Augen lassen und ihnen auf Schritt und Tritt folgen. Manche Shelties tendieren zum "Einmannhund". Die meisten Shelties sind keine Allerweltsfreunde, sondern zeigen Fremden gegenüber eine gewisse Reserviertheit, die man jedoch nicht mit Scheuheit verwechseln sollte (bei Shelties amerikanischer Herkunft weniger ausgeprägt). Viele Shelties lassen sich nicht gern von ihnen völlig fremden Personen anfassen.

Lockeres "Mundwerk"

Wo so viel Sonne ist, muss es auch Schatten geben. Es sei nicht verschwiegen, dass Shelties sehr wachsam sind und diese Aufgabe manchmal durchaus übertreiben. Wohl als Erbteil ihrer nordischen Spitzahnen haben sie ein recht lockeres Mundwerk geerbt, d.h. sie kläffen ausgesprochen gerne. Wen dies stört oder wer dies wegen seiner Wohnsituation nicht dulden will oder kann, der sollte beizeiten beginnen, erziehungsmäßig konsequent dagegen zu wirken.
Eine ganze Reihe von Menschen - Sheltiebesitzer eingeschlossen - sehen ihren Hund als fragile Schönheit mit zartbesaitetem Selchen. Dieses Bild vom "zartbesaiteten Selchen" ist jedoch eines der größten Missverständnisse bei dieser Rasse. Man tut besser daran, den Sheltie nicht als  Hätschelhund, sondern als kleinen Arbeitshund zu betrachten und zu behandeln, dem man alles beibringen, an- oder auch abgewöhnen kann.
Der Sheltie ist ein Hund, der für alle Alterssparten als Begleit-, Sport- oder Familienhund (am besten alles zusammen) geeignet ist, sofern man bereit ist, ihm viel Zeit, individuelle Zuwendung, Ansprache und Beschäftigung zu widmen. Trotz seines langen Deckhaares und dichten, wolligen Unterfells sind Shelties nicht aufwendig zu pflegen. Abgesehen von den feinen, weichen Haaren hinter den Ohren und in den Achselhöhlen neigt das Fell auch nicht zum Verfilzen. Einmaliges Bürsten oder Kämmen pro Woche und Auskämmen der zum Verfilzen neigenden Stellen ist vollauf ausreichend.
Wie der Collie hat der Sheltie eine hohe Lebenserwartung. Er kann 15 Jahre und älter werden und bleibt oft bis ins hohe Alter gesund, fit und munter.