Über die Sinne der Hunde

Im Laufe von Jahrtausenden hat der Mensch den Hund auf vielfältige Art und Weise eingesetzt. Als Wächter, Jäger, Führer, als Zugtier, Retter in den Bergen oder in Kriegen als Sanitätshunde.
Heute ist er dagegen hauptsächlich Kamerad und Gesellschafter. Geblieben sind aber auch unseren reinen Familienhunden seine überaus scharfen Sinne, ohne die seine Vorfahren oder die auch heute noch vielfach eingesetzten Hunde als Helfer des Menschen wohl niemals ihre Aufgaben erfüllen konnten und dann wohl auch niemals diese herausragende Bedeutung erlangt hätten, die Hunde hatten und immer noch haben.

Das Sehvermögen des Hundes

Im Gegensatz zum ausgezeichneten Geruchs- und Gehörsinn, spielt die Sehschärfe für einen Hund eine deutlich untergeordnetere Rolle! Er braucht keine besonders guten Augen - weder zur Jagd (jedenfalls wenn man einmal von den typischen Sichthetzern absieht , bei deren hohem Lauftempo ein Verfolgen mit Hilfe der tief zum Boden gerichteten Nase unmöglich wäre) noch zur sonstigen Orientierung.
Die beiden anderen Sinne genügen da vollauf. Einen Hund einzuschläfern, nur weil er im Alter erblindet, ist daher ebenso unnötig wie hartherzig (es sei denn, er würde völlig apathisch, was zwar selten aber doch immer wieder einmal vorkommt).
Was jetzt nicht heißen soll, dass ein Hund seine Augen gar nicht nutzen würde. Er benutzt sie sehr wohl, ist damit vor allem für die Jagd auf kleine, sich rasch bewegende Tiere hervorragend gerüstet.
Die meisten verlassen sich freilich wenig auf ihren Gesichtssinn und nehmen Tiere (oder Personen), die regungslos verharren, gar nicht wahr. Selbst ein gesundes Hundeauge ist nämlich bei Tageslicht wesentlich schwächer als das menschliche. Vermutlich sehen unsere Vierbeiner Personen und Dinge nur unscharf, erahnen sie mehr an ihren Umrissen und müssen die so gewonnenen Eindrücke erst durch die übrigen Sinne bestätigen. Auch geht man heute davon aus, dass Hunde nahezu farbenblind sind und daher nur zwischen Schwarz, Weiß und verschiedenen Grautönen unterscheiden können. Nachts und bei Dämmerung ist ihr Sehvermögen aber dennoch dem unseren überlegen!
Verständlicherweise: Wildhunde waren stets nachts auf Jagd, wobei sie ihre Augen durchaus zur Ergänzung des scharfen Gehörs und der feinen Nase nutzten. Auch ihr hervorragender Tastsinn (Nasenschwamm, Lefzen, Zunge, Ballen) kam ihnen dabei sehr zustatten.


Übrigens ist der Geschmackssinn des Vierbeiners dann wieder wesentlich schwächer ausgeprägt als bei uns Menschen. Hier dürfte ebenfalls die unterschiedliche Herkunft eine nicht unbedeutende Rolle gespielt haben: Wölfe und Hunde waren als jagende Räuber von jeher darauf angewiesen, Beute aufzuspüren, zu stellen und zu schlagen und dann das zu fressen, was sie zur Strecke gebracht hatten - ohne Rücksicht auf dessen Geschmack.
Wir Menschen stammen dagegen von hauptsächlich vegetarisch lebenden Vorfahren ab, die  aus einem vielfältigen (geschmacklichen) Nahrungsangebot auswählen konnten. Neben diesen "Hauptsinnen" verfügen unsere Hunde freilich  noch über weitere, besondere Fähigkeiten, die man, da man sie meist nicht recht erklären kann, häufig als Instinkt, als 6. Sinn des (Wild-)Tieres bezeichnet:
Da wedelt der Vierbeiner schon freudig erregt mit dem Schwanz oder kommt gar mit der Leine, kaum dass sein Besitzer erst den Entschluß gefaßt hat, mit ihm spazieren zu gehen.
Oder der Hund, der tagsüber mit Frauchen allein ist, wird just in dem Moment unruhig, zu dem wie sich später herausstellt - Herrchen vom Büro abgefahren ist...
Wohlgemerkt, ein Herrchen mit gleitender Arbeitszeit, denn, dass die meisten Tiere ein gewisses Zeitempfinden haben, ist durchaus bekannt und weniger spektakulär.


Sehr wohl erklärbar ist dagegen, dass immer wieder Hunde (und auch Katzen) ihre Besitzer vor bevorstehenden Erdbeben oder Vulkanausbrüchen warnten und damit häufig ganze Dörfer oder Stadtteile retteten!
Sie reagieren nämlich bereits auf die allerersten, ganz feinen, für einen Menschen noch gar nicht  wahrnehmbaren Schwingungen der Erdkruste, die jedem Beben als untrügliches Alarmzeichen vorangehen. Nur, wie gelingt es ihnen, zwischen den immer wieder auftretenden harmlosen Schwingungen der Erdkruste, die sie mitnichten beunruhigen, und den echten Vorboten einer Katastrophe zu unterscheiden?
Auch hier müssen wir uns wieder einmal zu dem Begriff Instinkt flüchten, den wir immer wieder dann einsetzen, wenn wir das Verhalten oder die Fähigkeiten eines Tieres (noch) nicht erklären können!